#diversknitty (deutsch)

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Es hätte mir aufgrund meines persönlichen Hintergrundes klar sein müssen, dass es nirgends einen Schutzraum für Minderheiten gibt, erst recht nicht in Handarbeitskreisen. Ich bin weiß und damit privilegiert, genderqueer und lebe einen alternativen Lebensstil. Ich bin in meinem Leben oft herumgeschubst und ausgegrenzt worden, aber das ist lächerlich zu dem was BIPOC (black and indigenous people of colour) Menschen erlebt haben und auf Instagram teilen.

Die Diskussion begann Anfang Januar mit einem problematischen Blogbeitrag von Karen Templer über ihre bevorstehende Indienreise. @thecolormustard war eine der ersten, die ihr dazu einige Instagram stories widmete, die die rassistischen, von Privilegien der Weißen durchsetzten Teile des Blogbeitrags aufzeigen. Andere wichtige Beiträge dazu kamen unter anderem von @su.krita, @astitchtowear, @tina.say.knits, @ocean_bythesea, @booksandcables, @burkehousecrafts, @masteryarnsmith und @knitquiltsewstitch. Sie alle haben großartige story highlights darüber, worum es eigentlich geht und wie eins sich selbst mehr Wissen zu den Themen weiße Privilegien und (Alltags-)Rassismus aneignen kann. Karen Templer übrigens hat reagiert indem sie verstehen wollte, was weiße Vorherrschaft bedeutet und wie eins entsprechendes Verhalten ablegen kann. Sehr cool!

Eine oft genannte Quelle ist das Me and White Supremacy Workbook von Layla F. Saad. Es besteht aus 28 kurzen, einfachen Lektionen, die alle an jeweils einem Tag durchgearbeitet werden können. Die Einführung erklärt noch einmal tiefergehend, warum es so wichtig ist, sich mit dem Thema der weißen Vorherrschaft kritisch auseinanderzusetzen und erläutert auch einige Hintergründe zur Entstehung des Buches. Das Workbook ist kostenlos herunterladbar, man kann der Autorin aber auch einen beliebigen Betrag als Dank spenden. Auch ich beschäftige mich mit diesem Workbook, obwohl ich mich schon eingehend mit dem Thema Rassismus beschäftigt habe. Es gibt immer Raum, sich zu verbessern.

Nach etwa zwei Wochen fortlaufender Diskussion auf Instagram dachte ich, jeder hätte verstanden, dass es auch in der ach so kuscheligen Strickgemeinde ein großes Problem mit Rassismus gibt, auch wenn sich der dominante, weißhäutige Teil davon dessen nicht bewusst ist. Dann veröffentlichte Maria Tusken, eine Handfärberin, dieses Video. Wenn eins noch nicht allzu tief im Thema der weißen Vorherrschaft drin ist, ist es durchaus sinnvoll, sich erst mit dem oben genannten Workbook zu beschäftigen, bevor eins sich das Video anschaut. Mit “issue” ist übrigens “Rassismus” gemeint. Menschen werden einer einseitigen Sicht der Dinge (Rassismus) beschuldigt, die sie nur teilen, um andere zu schikanieren, auch wenn damit in Folge deren Unternehmen ruiniert wird. Sie glaubt, es gäbe eine große Mehrheit, die nur Angst hätte, sich gegen diese falschen Anschuldiungen (Rassismus, weiße Vorherrschaft) zu stellen. Als ob das noch nicht genug wäre, ist auch noch ein fragwürdiges Video verlinkt, das ihre Meinung stützt. Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Falls unklar ist, was so falsch an tuskenknits’ Video ist, hat @antigonanyc eine gute Zusammenfassung in ihre Story Highlights gestellt. Was mir wirklich übel aufstößt, ist die Bemerkung zur schweigenden Mehrheit. Dieser Begriff wird hauptsächlich von Populisten und (Neu-)Rechten genutzt, um ihre Aktionen zu rechtfertigen. @astitchtowear hat auf ihrem Profil auch ein Story Highlight zum Thema “schweigende Mehrheit”, sowohl zur Herkunft des Begriffs als auch zu seiner heutigen Verwendung. Zusammengefasst handelt es sich bei der schweigenden Mehrheit um “gemütliche, gekleidete, satte Menschen mit Dach über dem Kopf, die die Mitte der Gesellschaft stellen. Aber sie streben nach mehr und fühlen sich von denen bedroht, die weniger haben”. Na, ertappt? Handle. Lerne. Werde laut.

Es gibt so viele BIPOC, LGBT und anders diskriminierte Menschen in der Handarbeitswelt. Es ist Zeit, die Perspektive zu ändern, weg vom Fokus auf weißhäutige Menschen. Wir müssen uns der weißen Vorherrschaft bewusst werden, sie aktiv verlernen, aufhören, Handarbeitende mit anderem sozio-kulturellem Hintergrund als dem eigenen auszugrenzen, Unternehmen von BIPOC Menschen unterstützen und aufstehen gegen Rassismus. Rassismus ist real.